Bei einer 58 jährigen Frau wurde wegen eines Eierstocktumors rechts eine laparoskopische Operation vorgenommen, obwohl bereits früher zwei Voroperationen, nämlich ein Kaiserschnitt und eine Gebärmutterentfernung vorausgegangen waren.
Ihr wurde nicht mitgeteilt, dass nach Voroperationen im Bauch die laparoskopische Operationstechnik (im Volksmund als Schlüssellochchirurgie bekannt ) deutlich vermehrt Komplikationen aufweist.
Laut Operationsbericht fanden sich auch bei dieser Patientin erhebliche Verwachsungen nach den Voroperationen.
Trotzdem liess sich der rechte Eierstocktumor nach Beseitigung der Verwachsungen laparoskopisch entfernen.
Unverständlicherweise wurde zusätzlich auch noch der linke Eierstock freipräpariert, obwohl, wie aus dem Operationsbericht hervorgeht, der linke Eierstock breitflächig abgedeckt war durch eine fest verwachsene Dickdarmschlinge.
Erst nach aufwendiger Lösung der Verwachsungen konnte festgestellt werden, dass der linke Eierstock normal war.
Da der Dickdarm sehr dünnwandig ist und bei der laparoskopischen Operationstechnik bei der Beseitigung von Verwachsungen häufig Blutungen durch Kauterisierung mittels elektrischem Strom erfolgt, resultiert oft eine Darmwandschädigung.
Eine präoperative computertomographische Untersuchung hätte genügt, um festzustellen, dass der linke Eierstock normal ist und die komplikationsträchtige Freipräparation wäre nicht erforderlich gewesen.

Am dritten postoperativen Tag musste die Patientin von einem Chirurgen nachoperiert werden, da in dem vom linken Eierstock abpräparierten Dickdarm ein zehnpfennigstück grosses Loch entstanden war.
Obwohl bereits eine allgemeine kotige Bauchfellentzündung ( Peritonitis) bestand, wurde das Dickdarmloch lediglich einschichtig mit resorbierbarem Nahtmaterial verschlossen.

In der Folgezeit bildeten sich trotz mehrmaliger Bauchraumspülungen immer wieder Eiteransammlungen im kleinen Becken und es entleerte sich schliesslich auch kotige Flüssigkeit aus den Drainagen, was daraufhin wies, dass die Infektionsquelle am Dickdarm fortbestand.
Da sich der Allgemeinzustand der Patientin verschlechterte, wurde die Patientin in eine chirurgische Universitätsklinik verlegt.
Hier endlich erfolgte eine sogenannte Hartmannoperation ( Entfernung des für die fortbestehende Infektion verantwortlichen Dickdarmteiles mit Anlage eines künstlichen Darmausganges).
Allerdings wurde zusätzlich ein erheblicher Anteil des Dünndarmes entfernt.
Im Operationsbericht heisst es, dass sich die betreffenden Dünndarmschlingen nicht mehr trennen liessen, und auch der Verdacht bestand, dass hier der Ursprung der kotigen Sekretion lag.

In der Folgezeit litt die Patientin unter diätetisch nicht zu beeinflussenden Durchfällen mit erheblicher Beeinträchtigung der Lebensqualität.
Radiologisch wurde festgestellt, dass bei der Patientin nur noch ein Drittel des Dünndarmes verblieben ist, sodass die Durchfälle bedingt sind durch ein Kurzdarmsyndrom.

Von einem Chefarzt für Frauenheilkunde, eines Kollegen des Erstoperateurs, wurde ein Gutachten für eine Schlichtungsstelle für Arzthaftfragen bei einer Landesärztekammer erstellt.
Wenn man dieses Gutachten liest, ist deutlich zu erkennen, dass es sich um ein typisches Vertuschungsgutachten handelt.

So wird mit keinem Wort erwähnt, dass

Erstens:

laparoskopisches Operieren nach zwei vorausgegangenen Bauchoperationen nicht angezeigt war.

Zweitens:

die intraoperative Freilegung des linken Eierstockes nicht erforderlich gewesen wäre, wenn präoperativ eine Computertomographie gemacht worden wäre.

Drittens:

vom Chirurgen schon primär eine Hartmannoperation wegen der Dickdarmläsion mit kotiger Peritonitis hätte vorgenommen werden müssen und dadurch die spätere nochmalige Nachoperation mit der ausgedehnten Dünndarmresektion vermieden worden wäre, wodurch ein Kurzdarmsyndrom mit erheblicher Beeinträchtigung der Lebensqualität der Patientin bedingt ist.

Fazit: Auch dieser Fall zeigt, wie wichtig es wäre, in Deutschland eine schuldunabhängige Schadensregulierung einzuführen, denn dass diese Patientin erheblich geschädigt wurde und dies nicht schicksalhaft erfolgte, ist nicht zu bestreiten.