Eine 17 Jahre junge Frau erkrankt an einer durch Viren bedingten Gehirn- und Gehirnhautentzündung (lateinisch: virale Meningoencephalitis).
Trotz intensiv-medizinischer Behandlung in einer neurologischen Universitätsklinik verfällt sie in ein sogenanntes Wachkoma.
Sie ist nicht mehr ansprechbar und muss zwischenzeitlich wegen Lungenkomplikationen beatmet und über eine Magensonde ernährt werden. Immer wieder treten Krampfanfälle und Unruhezustände auf, sodass beruhigend wirkende Medikamente verabreicht werden müssen; bei akuten Anfällen auch direkt in die Blutbahn.
Bei einem solchen Unruhezustand wurden von einem Arzt versehentlich 2 Ampullen Promethazin ( Atosil) in der rechten Ellenbeuge in die Arterie gespritzt, obwohl die Herstellerfirma ausdrücklich in dem Beipackzettel vor einer intraarteriellen Injektion warnt, da bekannt ist, dass dieses Medikament schwere Gefässschäden verursacht, sodass sogar eine Amputation der Extremität die Folge sein kann.
Genau diese Komplikation tritt bei der Patientin ein.
Der rechte Arm muss amputiert werden.
Obwohl es bei der Patientin in der Folgezeit auch noch zu einem vorübergehenden Kreislaufstillstand und Lungenkomplikationen kommt, erholt sich die Patientin soweit, dass nach 3 monatiger Behandlung die Verlegung auf eine neurologische Normalstation erfolgen kann.

Aus der Literatur ist bekannt, dass Patienten noch nach längerer Zeit aus einem Wachkoma wieder aufwachen und genesen können.
Mit Recht verklagen die Angehörigen den betreffenden Arzt und fordern Schadensersatz.
Dass die Amputation infolge der versehentlichen Atosilinjektion in die Arterie erfolgte, wird in den folgenden Prozessen nicht bestritten.
Folgende Argumente werden von dem Gerichtsgutachter zur Entlastung des Arztes angeführt.

Erstens:

Es habe ein akuter Unruhezustand bestanden, der eine sofortige Gabe des Beruhigungsmittels Atosil in die Blutbahn erforderte.

Zweitens:

An den üblichen Stellen sei eine Vene zur Injektion nicht auffindbar gewesen, sodass ein Zugang in der rechten Ellenbeuge versucht wurde.
Hier konnte ein Gefäss punktiert werden, sodass das Medikament gespritzt werden konnte.
Der Gutachter meint, dass es für den Arzt nicht zu erkennen gewesen sei, dass er eine Arterie punktiert hatte, da das Blut nicht hellrot sondern recht dunkel gewesen sei.
Die Zeit um eine Blutgasanalyse zu machen, sei wegen des akuten Unruhezustandes nicht gewesen. Aus diesem Grunde treffe den Arzt keine Schuld.

Der Gerichtsgutachter verschweigt aber, dass jeder approbierte Arzt wissen muss, dass bei einer Gefässpunktion in der Ellenbeuge besonders darauf geachtet werden muss, dass die hier oberflächig verlaufende Arterie nicht punktiert wird.
Die Arterienpunktion ist aber leicht daran zu erkennen, dass pulsierend Blut in die angesetzte Spritze eintritt, da der Blutdruck in der Arterie erhöht ist.
Der Gutachter vertritt aber die Meinung, dass infolge der Muskelkontraktionen während des Unruhezustandes der Druck in der Armarterie erniedrigt gewesen sei und deshalb gerade dieses Zeichen für die Lage der Injektionskanüle in der Arterie nicht vorhanden war.
Eine absurde Be- hauptung, die wissenschaftlich unhaltbar ist, denn Muskelkontraktionen führen niemals zu einer Behinderung des Blutstromes in den zuführenden Gefässen, da diese in lockerem Bindegewebe zwischen den Muskeln verlaufen.
Dies versteht auch ein medizinischer Laie, da sonst ja eine sportliche Betätigung, bei der es ständig zu Muskelkontraktionen kommt, gar nicht möglich wäre.

Trotzdem verwendeten sowohl das Gericht erster als auch zweiter Instanz gerade dieses Argument, um den Arzt von jeder Schuld freizusprechen und die Klage abzuweisen.
Gerade dieser Fall zeigt, wie wichtig es wäre auch in Deutschland, wie im Verkehrsrecht und in Finnland bereits üblich, eine schuldunabhängige Schadensregulierung auch in der Medizin einzuführen.