Fall 5

Bei einer 58 jährigen Frau wird 1993 eine laparoskopische Entfernung der Gallenblase  vorgenommen mittels sogenannter Schlüssellochchirurgie. Sechs Tage postoperativ war eine Eiteransammlung im rechten Oberbauch oberhalb vom querliegenden Dickdarm, begrenzt von Leber und Zwerchfell, entstanden (lateinisch: subhepatisch-subphrenischer Abszess), wobei die Ursache nicht zu klären war. Hierbei handelt es sich um eine gutartige Form einer Bauchrauminfektion, weil es dem Organismus gelungen ist, den Eiterherd gegenüber dem übrigen Organismus abzuschotten durch eine Abszessmembran, zunächst gebildet durch Fibrinabsonderung aus dem Blut und dadurch bedingten Umgebungsverklebungen. Daraufhin wurde eine Nachoperation am 4.10.1993 mittels Schnitt unterhalb des rechten Rippenbogens, d.h. direkt über dem Abszess, vorgenommen. Der Abszess wurde ausgeräumt und Drainageschläuche eingelegt. Aus dem Operationsbericht geht hervor, dass reichlich Fibrin entfernt wurde und, weil nicht schonend im Abszessbereich manipuliert wurde, war eine chirurgische Blutstillung erforderlich. Die Notwendigkeit einer Blutstillung beweist, dass bereits bei dieser ersten Revisionsoperation die vom Körper gebildete Abgrenzung des Infek-tionsherdes gegenüber dem Organismus beschädigt wurde, sodass die Eiterkeime ungehin-dert in die Blutbahn eindringen konnten und bereits zu diesem Zeitpunkt eine Blutvergiftung (lat. Sepsis) bei der Patientin von den Operateuren verursacht wurde. So berichten die Nar-koseärzte, dass bereits am Ende dieser ersten Revisionsoperation die Pat. wegen eines septischen Schockzustandes mit einer hohen Sauerstoffkonzentration künstlich beatmet werden musste. Obwohl bei dieser ersten Revisionsoperation keine chirurgisch zu behan-delnde  Abszessursache gefunden wurde, erfolgte bereits 2 Tage später am 6.10.93 noch-mals eine Revisionsoperation. Wieder wurden ausgiebig Fibrinmembranen ober- und unter-halb  der Leber entfernt. Ein Vorgehen, das gerade bei frischen Abszessen im Bauchraum nach den Behandlungsrichtlinien der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie nicht notwendig und gefährlich ist, weil dadurch die Gefahr besteht, dass Nachbarorgane, im Bauchraum vor allem der Darm, beschädigt werden. Unverständlich und gegen jede chirurgische Regel wurde zusätzlich der übrige Bauchraum vom Abszessbereich aus inspiziert und festgestellt, dass unterhalb des Dickdarmes im Bauchraum keine entzündlichen Veränderungen vorhan-den  waren. Da der gesamte Bauchraum ohne weiteres inspiziert werden konnte, bestanden zu diesem Zeitpunkt auch keine Dünndarmverwachsungen nach einer 20 Jahre  zurückliegen-den  Blinddarmentfernung, wie von den Gerichtsgutachtern fälschlicherweise behauptet wird.  Bei dieser 2. Revisionsoperation wurde offenbar durch die völlig unnötige nochmalige Entfernung von Fibrinmembranen der Zwölffingerdarm (lat. Duodenum) beschädigt. Dadurch gelangte jetzt in den Bauchraum infiziertes aggresives  Magen-, Dünndarm- und Bauchspeicheldrüsensekret und verursachte die für den komplizierten postoperativen Verlauf verantwortliche lebensbedrohende Blutvergiftung (lat. foudroyante therapiere-sistente Sepsis mit drohendem Multiorganversagen und Langzeitbeatmung für 50 Tage, laut Bericht der Narkoseärzte). Wie ein Wunder überlebte die Patientin. Anschließend war noch eine 5 wöchige Behandlung auf einer chirurgischen Allgemeinstation nötig, ehe eine mehr-monatige  Rehabehandlung angeschlossen werden konnte. Die Kosten für die betreffende Krankenkasse und damit für die Solidargemeinschaft der Versicherten betrugen über         100 000 DM.

In den folgenden Jahren litt die Pat. unter quälenden Bauchbeschwerden bedingt durch die nach der 2. Revisionsoperation entstandenen Darmverwachsungen infolge der bei der  2. Revisionsoperation vorgenommenen breiten Eröffnung des Abszessbereiches zum übrigen Bauchraum hin mit Einstrom von aggresivem Verdauungssekret verursacht durch die Zwölf-fingerdarmfistel. Diese Bauchraumverwachsungen waren bereits bei der nochmaligen 3.Revisionsoperation am 18.10.93 so ausgeprägt, dass der Bauchraum unterhalb des Dickdarmes, anders als bei der 2. Revisionsoperation am 6.10.93, gar nicht mehr inspiziert werden konnte. Wegen dieser jahrelangen Bauchbeschwerden erfolgte im Jahre 2001 eine Nachoperation, bei der die Dünndarmverwachsungen laut Operationsbericht operativ beseitigt wurden. 

War dieser Krankheitsverlauf nun schicksalhaft, wie die Gerichtsgutachter behaupten, oder wie der Autor beweisen kann durch fehlerhafte chirurgische Behandlungsmaßnahmen und sogar Kunstfehler bedingt?

Facharztstandard ist laut Behandlungsrichtlinien der Deutschen Gesellschaft  für Chirurgie, dass ein subhepatisch-subphrenischer Abszess, um einen solchen handelte es sich bei der Pat. zweifelsfrei, lediglich nach außen abgeleitet werden muss, indem Drainageschläuche  eingeführt werden. Dies kann heutzutage sonografisch kontrolliert erfolgen. Hierbei gelingt in über 85% der Fälle eine komplikationslose Heilung ( Bartels u. Mitarb.1997, Jansen u. Mitarb.1999, Göhl u. Mitarb.1999). Das beweist, dass eine Fibrinentfernung und wiederholte Abszessrevisionen nicht erforderlich sind. Abszesse, die auf diese Weise behandelt werden und deren Abszessmembran nicht beschädigt wird, gelten als gutartig, weil sie niemals eine Sepsis mit Multiorganversagen und auch keine Darmverwachsungen außerhalb des Abszess-bereiches im Bauchraum verursachen.

Ein derartiger Abszess kann aber auch chirurgisch angegangen werden, wie es früher üblich war. Dabei wird direkt über dem Abszess die Bauchdecke durchtrennt, der Abszessinhalt ab-gesaugt, die Abszesshöhle gespült und Drainageschläuche unter Sicht plaziert. Hierbei muss unter allen Umständen darauf geachtet werden insbesonders bei frischen Abszessen, dass die vom Organismus gebildete Infektionsbarriere (s. oben) nicht zerstört wird. Auf keinen Fall dürfen Fibrinmembranen entfernt oder so unsachgemäß vorgegangen werden, dass ein Blutstillung erforderlich wird ( Eckert in Grundlagen der Chirurgie G14 ), wie im vorliegenden Fall. Diese Vorsichtsmaßnahmen beachteten die Operateure bei den Revisionsoperationen fahrlässiger Weise nicht, wie aus den Operationsberichten hervorgeht.

Die bei der Pat. eingetretenen lebensbedrohenden septischen Komplikationen und die jahrelangen Bauchbeschwerden infolge der entzündlich bedingten Darmverwachsungen mit der Notwendigkeit der Nachoperation im Jahre 2001 waren demnach nicht schicksalhaft verursacht  sondern durch das fehlerhafte Vorgehen bei den Revisionsoperationen eines primär gutartigen, weil vom Körper eingegrenzten Bauchabszesses. Analysiert man die zu diesem Fall erstellten universitären Gutachten, dann wird klar, dass  die Gerichtsgutachter wider besseren Wissens die für den fast tödlichen Verlauf verantwortlichen Behandlungs-fehler, die bei den Revisionsoperationen gemacht wurden, verschweigen, wodurch die lebensbedrohende Blutvergiftung und die Darmverwachsungen verursacht wurden. Ver-schwiegen wird auch, dass bei Beachtung der anerkannten Behandlungsrichtlinien die Pat. nach 14 Tagen gesund hätte nach Hause gehen können.

Fazit: Fünf chirurgische Hochschulprofessoren, und zwar aus Erlangen die Professoren Hohenberger, Flesch und Klein und aus Freiburg die Professoren Hopt und Eggstein können im Widerspruch zu Behandlungsrichtlinien der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie straffrei in ihren  wortreichen Gutachten behaupten, dass keine Behandlungsfehler gemacht wurden, wenn die chirurgische Behandlung eines postoperativen gutartigen, weil vom Körper eingegrenzten Abszesses eine intensiv-medizinische Behandlung mit künstlicher Beatmung von 50 Tagen und  anschließender noch 5 wöchiger stationärer und mehrmonatiger Reha-behandlung erfordert mit  Behandlungskosten von über 100 000 DM und  ausgedehnte Darmverwachsungen resultieren, die der Pat. jahrelange Bauchbeschwerden verursachen und eine Nachoperation erfordern. Wobei die Darmverwachsungen von den Gerichtsgut-achtern mittels  Falschaussage durch eine 20 Jahre zurück liegende Blinddarmoperation  erklärt werden. Keine Rolle spielt es, wenn  von einem habilitierten leitenden Kranken-hauschirurgen  mit wissenschaftlicher Vorbildung und 30 jähriger klinisch-chirurgischer Erfahrung entscheidende  Fehlbehandlungen nachgewiesen werden; obwohl der Bundes-gerichtshof   mehrfach gefordert hat, dass die Gerichte sich auch mit den Argumenten der Privatgutachter auseinander zu setzen hätten. 

Das bedeutet, Gerichtsgutachter können hierzulande alles behaupten und vertuschen. Ihre Aussagen werden von den Gerichten offenbar häufig kritiklos akzeptiert.