Bei einer 37 jährigen Frau wird von einem Gynäkologen wegen Unterbauchbeschwerden eine Bauchraumspiegelung (Laparoskopie) vorgenommen.
Da Verwachsungen nach länger zurück liegender Blinddarmentfernung im kleinen Becken bestanden, wurde eine Beseitigung dieser Verwachsungen versucht. Hierbei kam es zu einer Blutung infolge Verletzung eines grösseren Blutleiters (Arterie) im kleinen Becken. Nach sofortiger Bauchraumeröffnng stillte ein hinzugerufener Chirurg derselben Klinik diese Blutung durch Umstechung ohne die Blutungsquelle, wie lege artis erforderlich, exakt zu lokalisieren.
Als die Patientin aus der Narkose aufwacht, klagt sie über starke Schmerzen im rechten Bein.
Von den Operateuren kümmert sich zunächst keiner um die Patientin, angeblich weil diese anderweitig beschäftigt waren.
Im weiteren Verlauf wird eine Unterbrechung der Blutzufuhr zum rechten Bein festgestellt und die Patientin in eine Gefässspezialklinik verlegt.
Dort wird eine Revisionsoperation vorgenommen. Hierbei findet sich nach exakter Präparation, dass die Hauptversorgungsarterie des rechten Beines im kleinen Becken durch die Umstechung verschlossen worden war.
Der Verschluss wird beseitigt , und dadurch die Blutzufuhr zum rechten Bein wieder hergestellt. Allerdings hatte die länger als 2 Stunden andauernde Unterbrechung der Blutzufuhr bereits zu einer Muskelschädigung mit erheblicher Schwellung der Muskeln geführt, sodass ausgedehnte Längsschnitte der Haut am rechten Bein und der die Muskeln umhüllenden Bindesgewebsschichten erforderlich waren.
Diese Entlastungsschnitte können erst nach einigen Tagen wieder verschlossen werden, wenn die Muskelschwellung abgeklungen ist.
Zwangsläufig bleiben Narben zurück.
Ausserdem klagt die Patientin über anhaltende Schmerzen.
Mit Recht verlangt die Patientin eine Entschädigung, zumal durch den langen Krankenhausaufenthalt ein erheblicher Verdienstausfall hinzukommt.

Die erste gutachterliche Stellungnahme durch eine Fachärztin für Frauenheilkunde stellt keine Versäumnisse oder Behandlungsfehler fest und beurteilt den Behandlungsverlauf als schicksalhaft ( ein typisches Vertuschungsgutachten).
Das Privatgutachten des Autors stellt bei genauer Analyse neben den operativen Behandlungsfehlern vor allem eine eklatante Verletzung der Sorgfaltspflicht im postoperativen Verlauf fest, wodurch die Verlegung der Patientin in die Spezialklinik um fast 3 Stunden verzögert wurde.
Daraufhin erhebt die Patientin über ihre Anwältin Schadensersatzklage beim Gericht.
Das Gericht beauftragt, wie üblich, gefässchirurgische Experten einer Universitätsklinik mit der Begutachtung.
Obwohl diese Gutachter das fehlerhafte Vorgehen bei der operativen Versorgung der Gefässverletzung und auch eine Verletzung der erforderlichen Sorgfaltspflicht bei der postoperativen Überwachung rügen, vertreten die Gutachter die Ansicht, dass die behandelnden Ärzte lediglich für eine Verzögerung von 60 Minuten bei der Verlegung der Patientin in die Spezialklinik verantwortlich sind.
Die Gutachter meinen deshalb, dass der erlittene Schaden bei der Patientin wahrscheinlich auf alle Fälle eingetreten wäre und somit den Erstbehandlern kein Vorwurf zu machen sei.
Ein eindeutiger Vertuschungsversuch.
Da der Autor in einer weiteren Stellungnahme nachweisen kann, das dies eine Schutzbehauptung ist, denn die Patientin äusserte erstmals starke Schmerzen im rechten Bein als sie um 10 Uhr aus der Narkose aufwachte, wurde aber laut Notarztprotokoll erst 12 Uhr 50, d.h. fast 3 stunden später, in die Spezialklinik eingeliefert, werden die gleichen Gutachter mit einer erneuten Begutachtung beauftragt, die jetzt von dem Klinikdirektor verfasst wird, der aber auch das erste Gutachten mit unterschrieben hatte.
Dieser Gutachter führt als Entschuldigung der fehlerhaften Behandlung an, dass sich die Operateure in einer Zwangslage befunden hätten, um das Leben der Patientin zu retten, und die Fehler und Sorgfaltspflichtverletzungen nicht vorsätzlich begangen wurden.
Allerdings konnte der Hinweis des Autors, dass in einer Grossstadt mit mehreren Gefässspezialkliniken ein herbei gerufener Gefässchirurg die Blutung bereits primär hätte versorgen können und der Gutachter zugeben musste, dass dies durchaus üblich ist, und auch eine Verlegung der Patientin mit dem Notarztwagen innerhalb von 30 Minuten möglich gewesen wäre, wenn die Operateure sich nur um die Patientin gekümmert hätten, das Gericht überzeugen, dass doch ein erhebliches Fehlverhalten der behandelnden Ärzte vorlag.
Es wurde ein Vergleich vereinbart, und die Patientin mit 60000 DM entschädigt.

Behandlungsleitlinie bei intraoperativer Gefässverletzung mit stärkerer Blutung: Exakte Darstellung der Blutungsquelle und Versorgung nach gefässchirurgischen Behandlungsprinzipien. Keine Massenumstechung. Periphere Pulskontrolle. Eventuell Verlegung in eine gefässchirurgische Spezialabteilung innerhalb von 2 Stunden.