Die Patientin, ihr Anwalt und das Gericht sind nicht in der Lage wegen fehlender medizinischer Kenntnisse, den Kunstfehler, der zur Amputation des linken Beines bei der jungen Frau führte, zu erkennen.
Obwohl die universitären Gutachter verpflichtet gewesen wären, das Gericht auf den Kunstfehler hinzuweisen, beschränkten sie sich auf die Beantwortung der vom Gericht gestellten, für die Beinamputation aber völlig unwesentlichen Fragen.
Das unwesentliche Problem war, wann und durch welchen Arzt die Kniegelenksvereiterung verursacht wurde.
Bei der jahrelang andauernden Behandlung der Kniegelenksergüsse mit Beschwerden wegen einer anlagebedingten Verrenkungsneigung der Kniescheibe am linken Bein mit wiederholten diagnostischen und therapeutischen Kniegelenkspunktionen und erfolgter Kniescheibenentfernung war es im nachhin- ein nicht mehr möglich, einen bestimmten Arzt für die eingetretene Kniegelenksvereiterung verantwortlich zu machen.
Die entscheidende Ursache für die schliesslich erforderliche Beinamputation war aber, dass bereits 5 Wochen nach der Kniegelenksvereiterung ein Kunstgelenk mit hierbei notwendiger Eröffnung der Knochenräume am Ober- und Unterschenkel eingesetzt wurde trotz anhaltender Temperaturen und Gelenkschmerzen.
Fünf Wochen später wurde sogar noch das Kunstgelenk ausgewechselt. Trotz der Entfernung des Kunstgelenkes 14 Tage später und der operativen Gelenkversteifung kam die Knocheninfektion am linken Bein nicht zum Stillstand sondern breitete sich schliesslich im Ober- und Unterschenkel aus.
Auch mehrfache operative Revisionen konnten nicht mehr verhindern, dass zur Lebensrettung 8 Monate später eine Amputation des linken Beines notwendig wurde.
Damit war der Leidensweg der Patientin aber noch nicht zu Ende. In der Folgezeit litt die Patientin unter therapieresistenten Phantomschmerzen am Oberschenkelstumpf, sodass sogar eine Morphinpumpe operativ eingesetzt werden musste.

Die Patientin ist zu entschädigen, da die Einsetzung eines Kunstgelenkes so früh nach einer Kniegelenksinfektion bei deutlichen Zeichen einer fortbestehenden Infektion ein Kunstfehler ist.

Zusätzlich ist interessant, dass dieses Vertuschungsgutachten auf einer Tagung des Berufsverbandes der Chirurgen am 4.3. 2003 in Leipzig mit dem Thema: “ Der Chirurg als Sachverständiger im Kunstfehlerprozess“ zur Diskussion verwendet wurde.
Völlig überrascht waren die Veranstalter, als der Autor dies Gutachten als typisches Vertuschungsgutachten bezeichnete, weil die Beinamputation bei der Patientin, wie oben dargelegt, wegen eines Kunstfehlers erfolgte, worüber Einigkeit bei den anwesenden Chirurgen herrschte.
Die Veranstalter waren aber nicht bereit, Namen der Patientin oder das Akten-zeichen des Gerichtsverfahrens preiszugeben, um im nachhinein doch noch eine Entschädigung der Patientin zu erreichen und die universitären Gutachter zu belangen oder wenigstens anzuprangern.

Leitlinienempfehlung: Bei oder kurzfristig nach einer Kniegelenksvereiterung mit anhaltenden Entzündungszeichen darf kein prothetischer Kniegelenksersatz erfolgen.